CSLI

CSLI Navy Corps besucht die “Gorch Fock”

 

Eine Delegation des CSLI Navy Corps Teneriffa besuchte die „Gorch Fock“ in Santa Cruz de Tenerife.

 

 

 

 

 

 Ein Bericht von Prof. Hans König

 

 

Seit vielen Jahren dienen die Kanaren als Winterquartier des berühmten deutschen Segelschulschiffes „Gorch Fock“. Nach Beendigung der Ausbildungsfahrt in Gran Canaria werden die Kadetten heimgeflogen, das Schiff nach Teneriffa überstellt und hier, im Hafen von Santa Cruz de Tenerife wieder von neuen Auszubildenden in Besitz genommen.

 

Grund genug, um diesem regelmäßigen Besucher unserer Inselhauptstadt die Reverenz zu erweisen und auf dem Schiff unsere Spuren, in Form eines gestickten Wimpels, zu hinterlassen.

Wir waren für 16 Uhr 30 am 9. 2. angemeldet, das Schicksal lächelte uns aber nicht freundlich, sondern eher höhnisch an. Mit einem Zeitpolster von einer halben Stunde, kamen wir in die Nähe der Hafenmole und wähnten uns schon am Ziel. Doch wir hatten die Rechnung ohne den Stadtmarathon gemacht. Wild fuchtelnde Motorradgendarmen scheuchten uns schroff die Hänge der Stadt hinauf und alle Versuche zum Hafen mit den Autos zu gelangen, scheiterten. So begann unser eigener Stadtmarathon, allerdings nur über gefühlte fünf bis sechs Kilometer. Es erfüllte sich die kühne Prophezeiung unseres Präsidenten Wolfgang Steinhardt, dass ich nach meiner halb miß-, halb gelungenen Hüftoperation „bald wieder an einem Marathonlauf teilnehmen werden würde“.

Nach Erklimmen der Gangway der Gorch Fock grüßten wir das Achterdeck und die deutsche Flagge.

Es empfing uns der Wachhabende, Kapitänleutnant Sonneborn sehr freundlich – entschuldigte Kpt. z. See Riesch, der sich seinen letzten Landurlaub gönnte, no na – auf uns wird er nebbich gewartet haben – und wir überreichten doch noch unsere bunte Wimpel mit dem Wappen der Kanarischen Inseln. Im Gegenzug nahmen wir das Erinnerungswappen der Gorch Fock nach Hause, allerdings gegen 20 € Spende. Ja, auch die deutsche Marine muss halt sparen.

Eine kleine Führung am Oberdeck der Dreimastbark vollendete unseren Sonntagsausflug. Da ich selbst in den frühen Achtzigerjahren einige Fahrten auf der großen norwegischen Dreimastbark „Staatsrat Lehmkuhl“ (Heimathafen Bergen), die zur selben Zeit im Hafen von Santa Cruz lag und auch auf dem Dreimastvollschiff „Soerlandet“ absolviert hatte, konnte ich Einiges aus meiner Erinnerung zu dem verblüffenden Spinnennetz der Takelage von laufendem und stehendem Gut beitragen.

Allein zur Begriffsbestimmung: Eine Dreimastbark hat nur zwei rahgetakelte Masten, der dritte, der Besanmast fährt nur Segel in der Schiffslinie. Ein Vollschiff besitzt drei oder mehr rahgetakelte Masten.

Wir blicken hinauf in die, aus Stahl geformten Mastteile Untermast, Marssaling, Marsstenge, Bramsaling und ahnen am Schluss die Bramstenge. Weiß leuchten das aufgetuchte Grossstengestagsegel und das Grossbramstagsegel. Von links oben streben die Unterwanten zur Marssaling, Ganz gemein sind die darauf folgenden Püttingswanten: Mit dem Kopf hintüber, die Füße in die Webeleinen gekrallt, muß man die Marssaling erreichen, um sich dann bäuchlings in den Mars zu quälen. Dann ist man froh, den Lifebelt eingepieckt zu haben, um dann mit den Füssen die Drahtseile, der unter den Rahen angebrachten, sog. Fußpferde zu erreichen. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass seit 1958 schon mehrere Auszubildende in den Tod gestürzt sind. Wenn man nur einen Moment zögert, die Püttingswanten durchzusteigen, beginnt unter einem das Murren und Höhnen der Kameraden und die Unteroffiziere fangen an zu blaffen, das sich zum Gebrüll steigert. Dann muss man einfach die Rah bis zur Rahnock nach außen auf den Pferden balancieren. Deutlich sieht man die querstebende Grossrah, die Untermars-, Obermars-, Bram- und die zarte Royalrah, die für mich und mein Gewicht tabu war.

Nach rechts Mitte oben streben die verschiedenen Stengepardunen, die hinter den Wanten den Mast seitlich hinten stützen, nach rechts unten die Stengestagen, die den Mast am nach Vorne fallen hindern. Unsere Gardehornistin Lt CSLI Peggy Weise hatte sich für den Besuch internetmässig besonders vorbereitet und es war für mich eine Freude, mit ihr den Unterschied zwischen Focknockgording und Marsinnengording an den Backbordbelegnägeln zu ergreifen. Auch die Geschichte des Schriftstellers Gorch Fock, der in der Skagerrakschlacht bei Jütland 1916 auf dem kleinen Kreuzer SMS Wiesbaden fiel, und der Namensgeber des Schulschiffs ist, konnte sie auswendig runterbeten. Von ihm stammt auch der berühmte Ruf: „Schiffen tut Not“, der in Wien oft fehlinterpretiert wird.

Dann gelangten wir zum Achterdeck, wo ich meine Erinnerungen an das Martyrium des Gangspills loslassen konnte.

Heute gibt es natürlich Motorwinden, um den Anker aus dem Schiet zu lupfen, früher liefen wir mit Handspaken, langen, armdicken Hölzern, die in das Spill gesteckt wurden, im Kreis – sinnentleerte Shanties keuchend – bis das Kommando „Auf und Nieder“ ertönte. Das heißt, dass der Anker knapp vor seiner Klüse baumelte und das Schiff frei schwojte. Eine Ankergang hatte dann den Anker, allerdings mit Seewasser, abzustrahlen, damit die Bordwand nicht beschmutzt würde und dann wurde der gekattete Anker an den Flunken hängend zu den Klüsen befördert. Währenddessen nahm dann das Schiff langsam seine Fahrt auf.

Abend war es geworden, Die Sonne sank so vor sich hin und wir schossen noch einige Fotos von der Galionsfigur der Gorch Fock, einem aus Kohlefaser gegossenen Albatros. Der Begriff leitet sich vom Galion (spanisch für ‚Balkon‘) ab, dies war ein Vorbau vor dem Vordersteven einer Galeone, der den Bugspriet stützte. Zunächst wurden Figuren auf dem Galion von Spaniern und Portugiesen aufgestellt, später wurden sie an dessen Außenseite befestigt. Obwohl spätere Schiffstypen kein echtes Galion mehr besaßen, blieb der Name Galionsfigur erhalten. Im Aberglauben von Seeleuten soll die Figur den Kurs des Schiffes beobachten und es vor Unglück bewahren. Dabei ist der Albatros der Gorch Fock schon der sechste Versuch einer bleibenden Galionsfigur, denn einige gingen bei Stürmen verloren, oder aber wurden schwer beschädigt. Die Bucht von Santa Cruz leuchtete im Abendrot.

Meine alten Erinnerungen an die „christliche Seefahrt“ verblassten wieder langsam, wie das schwindende Tageslicht.

Prof. Hans König
Commodore CSLI Navy Corps

Fotos von Ferdinand Graf (Fregattenkapitän CSLI) und Peggy Weise (GardeLt. CSLI)

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